08. März 2007

Ein Lied für HelsinkiEin Lied für Helsinki

Soeben wurde es entschieden, Roger Cicero wird für uns in Finnland ein Lied über die Zweitbegabtesten hinter dem Lenkrad swingen ;-) . Ich weiß, diese Äußerung ist nicht ganz politisch korrekt, aber sowas muss am Weltfrauentag einfach sein – bin ja auch nur ein Mann *g*. Ansonsten war es ein kurzweiliger aber recht unspektakulärer Abend.

KunzeKunze

Die Zuschauer hatten die Wahl zwischen Roger Cicero, Monrose und Queen mit „One Vision“ … Pardon, mein Fehler, es war natürlich Heinz Rudolf Kunze mit „Die Welt ist Pop“, die Ähnlichkeit zu vorher genanntem Lied war aber zu groß. Das ganze noch mit ein paar Riffs aus  „Start Me Up“ von den Rolling Stones gemischt und ein deutscher, nicht allzu intelligenter Text drüber gelegt, schon ist die Nummer von dem wohl optisch am wenigsten ansprechenden Teilnehmer fertig. Da kann man sich eigentlich nur die Frage stellen, wieso das Lied nicht gleich „Die Welt ist Rock“ hieß – es hätte besser gepasst.
Für mich war Kunze aber zu keiner Zeit ein Favorit, sondern eher der Versuch des NDR, noch eine weitere Musikrichtung in die Veranstaltung zu bekommen.

MonroseMonrose

Zweiter Start war das frisch zusammengeklöppelte Mädchentrio Monrose mit „Even Heaven Cries“, das sich über Popstars gefunden hat. Die drei machten nicht die ganze Zeit den hellsten Eindruck und ich glaube, der Moderator des Abends, Thomas Hermanns, musste sich auch ein wenig zusammenreißen, um die Mädchen beim Smalltalk auf der Bühne nicht auflaufen zu lassen. Trotzdem konnte er es sich wohl nicht nehmen lassen, fast jeden Satz zu wiederholen.

Das Lied war ein R’n’B-Einheitsbrei, Lieder wie man sie im Radio hört und, falls man sie nicht weggeschaltet hat, anschließend sofort vergisst. Die drei hatten das aufwendigste Bühnenbild des Abends, dem Musikvideo nachempfunden; das Bewegenste an der Performance war jedoch nur das überdimensionierte Laufband, auf dem eine der Sängerinnen reingerollt wurde.

Roger CiceroRoger Cicero

Der dritte Startplatz an dem Abend war Roger Cicero, der, gemessen am Applaus beim ersten Eintreten der Teilnehmer, schon als Sieger feststand, wenn das Publikum nur einigermaßen repräsentativ wäre. Das Lied war eine schleimige Arschkriecherei ein swingedes Zugeständnis, dass Frauen in Wirklichkeit die wahren Herrscher der Welt über die Männer sind: „Frauen regier’n die Welt“ – dem Titel nach hätte man meinen können, Ursula von der Leyen hätte sich wenigstens hier durchsetzen können. Ansonsten der Versuch irgendwie Swing zu machen … irgendwie.

The Winner is …The Winner is …

Gewonnen hat ja, wie in der Einleitung bereits erwähnt, Roger Cicero. Ich glaub nicht, dass wir gewinnen werden in Helsinki. Der Vorentscheid (der sinnigerweise noch ein „Grand Prix“ enthielt, nachdem der NDR vor einigen Jahren groß und breit erklärt hat, wieso die Veranstaltung jetzt auch endlich in Deutschland „Song Contest“ heißt) bot dem Zuschauer also die Wahl zwischen einem alten Mann mit gelb-getönter Brille, wie man sie sonst von Xaiver Naidoo kennt, einem junges Mädchentrio mit insgesammt 6 Möpsen guten Argumenten und einem Mann mit Hut, der mit dem Mikrofon seine Lippen massierte.

Ich schiebe es mal auf mangelndes Interesse der Klingelton-Jugend an der Veranstaltung, nicht mehr genügend Guthaben auf der Handykarte oder Eltern, die die Handys weggeschlossen haben, dass Roger Cicero die Mehrheit der Stimmen bekommen hat. Nach Bekanntgabe der Ergebnisses dauerte es keine Sekunden, bis bei Monrose sämtliche Gesichtszüge entglitten und weinten, während alle anderen unserem Mann für Finnland gratulierten.

Und sonst … ?Und sonst … ?

Ich persönlich wäre in Anbetracht der Alternativen eher für Monrose gewesen, auch wenn es nicht ganz mein Musikgeschmack ist, aber ich denke wir hätten damit einfach die größeren Chancen gehabt. Cicero antwortete auf die Frage, wieso er meinte, dass er Chancen auf den internationalen Sieg hat, dass Europa eine Swingnummer in deutscher Sprache interessant finden würde. Von interessant bis kauzig ist es in diesem Fall aber leider nicht allzuweit.

Ansonsten ist es ein Abend der Kategorie „Hätte ja auch schlimmer kommen können“ – aber man muss sich ja nicht immer nach unten orientieren. Eine Verbesserung des Rahmenprogramms wäre es ja gewesen, wenn Georg Uecker zum einen die Klappe gehalten hätte (der Mann war ja unlustiger als Paola Felix) und zum anderen sich die Brille von Kunze ausgeliehen hätte, damit seine Krähenfüße wenigstens etwas kaschiert werden.

13. Mai 2007, 0:20 Uhr13. Mai 2007, 0:20 Uhr

Ich schätze mal, dass kurz nach Ende des Song Contests in Helsinki in der anschließenden Sondersendung, Thomas Hermanns den sichtlich enttäuschten Roger Cicero per Live-Schaltung zu dem schlechten Abschneiden befragt, und dieser bemüht ist, sich die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

„Das Erste“ – das Letzte„Das Erste“ – das Letzte

Ich <ironie>freue</ironie> mich immer wieder, wenn die ARD sich entschließt, in ihren Programmen Einblendungen zu setzten, dass die nachfolgende Sendung sich um 5 Minuten verzögert… 5 Minuten, das ist im Privatfernsehen normal und für 5 Minuten würde die Deutsche Bahn nicht mal eine Durchsage machen. Ansonsten gab es vor der Sendung eine Animation, dass die Sendung in Dolby Digital 5.1 ausgestrahlt wird. Mein kleines Herz erfreute sich bis zu diesem Moment, wo ich bemerkte, dass der AC-3-Stream etwas eine halbe bis eine Sekunde dem Bild hinterherläuft :down:.

Update 09.03.2007Update 09.03.2007

Wie dwdl.de meldet, war die Quote der Gesamtsendung nicht sonderlich berauschend und vor allem bei den 14- bis 19-jährigen ernüchternd gering, was das schlechte Abschneiden von Monrose erklärt. Wie der Redakteur Uwe Mantel hierzu kommentiert: „Das Problem ist allerdings wohl hausgemacht: Falls die ARD dachte, zu Beginn der Show mit Auftritten von Gitte Haenning, Wencke Myhre und Siw Malmqvist oder Andrea Kiewel und Paola Felix auf der Couch junges Publikum begeistern kann, dann war man dort gewaltig auf dem Holzweg.“

Kategorie: Fernsehen
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