„Macho Man“ von Moritz Netenjakob
Vor meinem Urlaub stellte sich für mich wieder einmal die Frage: welche Bücher nehme ich mit. So stand ich vergangene Woche in meiner kleinen Buchhandlung und musste feststellen, dass keins meiner vorher bei Amazon rausgesuchten Bücher vorrätig war. Also hieß es, sich spontan umzuentscheiden. Neben einem Thriller (ich habe mich für „Credo“ entschieden), wollte ich noch etwas Humorvolles mitnehmen und hatte zuerst „Maria, ihm schmeckts nicht“ in der Hand, hab mich aber dann letzten Endes für den Titel auf der Beststellerliste einen Platz höher entschieden: „Macho Man“ von Moritz Netenjakob.
Der Autor hat mir bislang nichts gesagt, aber der Klappentext klang doch recht vielversprechend: „Seine Eltern haben ihm beigebracht, Frauen zu achten und zu respektieren. Das hat ihm als Jugendlicher auf Partys sehr geholfen. Während die Mädchen mit den anderen Jungs in der Ecke knutschten, hat er sie geachtet und respektiert. Und einer musste schließlich die ganzen Nudelsalate essen.“
Der Inhalt
Um über seine letzte Beziehung hinweg zu kommen fliegt Daniel, seines Zeichens ein echtes Weichei, in einen All-inclusive-Urlaub in die Türkei; in ein Hotel, wo sein bester Freund als Animateur arbeitet. Schon auf dem Hinflug merkt man, dass Daniel kein Womanizer ist – seine Flirtversuche mit der Stewardess werden als Kaufinteresse an Bordverpflegung verstanden. Im Hotel lernt er dann die schöne Aylin kennen, bei der schon alle im Hotel abgeblitzt sind – und die beiden werden ein Paar.
Doch wenn man in der Türkei mit jemandem zusammen kommt, dann ist man nicht nur mit dieser Frau zusammen, sondern hat auch gleich eine große Familie mit dabei. Die restliche Story lässt sich vereinfacht so ausdrücken: Daniel entwickelt sich durch den Einfluss von Aylin und ihrer Familie immer mehr zu einem selbstbewussten Mann, bis hin zu einem Macho – und es gibt natürlich zahlreiche kulturelle Missverständnis.
Hier erfindet Autor Moritz Netenjakob nicht unbedingt das Rad neu, muss er auch nicht, denn das, was er erzählt hat teilweise eine Situationskomik, dass ich lachend im Strandcafé mit Tränen in den Augen saß – sehr zur Verwunderung der anderen Gäste.
Der Humor
Teilweise sind es, wie schon gesagt, einfach kulturelle Unterschiede, die den Humor ausmachen. Ich wusste beispielsweise nicht, dass man in der Türkei im Restaurant nach dem Essen, auf die Frage ob es geschmeckt hat, nicht „mmhhh ooohhh mhhhhhh“ machen sollte. Denn dies heißt nicht etwas sehr lecker sondern: ich bin schwul. Auch die Fahrgewohnheiten in der Türkei sind offenbar anders:
Der Busfahrer fährt in dem festen Glauben, dass jeder Passagier ein Scout von McLaren-Mercedes sein könnte, der neue Talente für die Formel 1 sucht. Vielleicht möchter er aber auch den Film Speed nachspielen. […] Die einzige erkennbare Vorsichtsmaßnahme besteht darin, vor den Kurven kurz zu hupen, um eventuellen Gegenverkehr zu warnen. Wobei der einzige potentielle Erfolg dieses Manövers darin bestünde, dass man mit 80 statt mit 100 km/h frontal zusammenstroßen würde.
Zum anderen sind es die selbstgesprächsartigen Gedanken, die – gerne als Liste – die innere Zerissenheit darstellen. Als er beispielsweise seine Traumfrau Aylin zum ersten mal sieht:
- Ist mein Hosenschlitz zu?
- Ich darf jetzt nicht Reiner Calmund imitieren.
- Ich darf jetzt keine Errektion kriegen.
- Ich muss an etwas Unerotisches denken … Fußball. Wenn es hier Internet gibt, kann ich Köln gegen Eintracht-Frankfurt im Live-Ticker verfolgen.
- Sag mal, spinnst du?! Du begegnest deiner absoluten Traumfrau und machst dir Sorgen wegen dieser Gurkentruppe!
So manches Klischee wird aufgegriffen, aber nicht nur bei den Türken, sondern auch die Deutschen, der 1. FC Köln, Hennes, das kastrierte Maskottchen des 1. FCK, die deutschen Fernsehsender, Feministinnen und Alice Schwarzer und noch einiges mehr wird humorvoll aufgearbeitet.
Eines muss ich jetzt auf jeden Fall machen, nachdem ich das Buch gelesen habe: den Barbarossplatz in Köln besuchen, der wohl übelste Platz der ganzen Stadt, der sich laut Protagonist hervoragend als Ersatz für kalte Duschen anbietet
Der Autor
Das Buch kann ich allen wärmstens empfehlen, denen auch „Vollidiot“ von Tommy Jaud gefallen hat. Ich fand es sogar noch eine deutliche Spur besser. Wer den Autor Moritz Netenjakob nicht kennen sollte: genauso wie Tommy Jaud hat er unter anderem bei Ladykracher mitgearbeitet, aber auch bei Sendungen wie „Dr. Psycho“, „Stromberg“, „Die Wochenshow“ und „Switch“.
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