Magenspiegelung
Ich war mir nicht sicher, ob ich das Thema wirklich hier aufgreifen sollte oder nicht. Aber hey, zum einen ist das immer noch mein Blog und außerdem müssen meine Kollegen, Familie und Co. da eh durch, und sich meine blumig ausgeschmückte Erzählung anhören.
Es wird hier nicht wirklich ekelig, aber Leute mit empfindlichem Gemüt sollten diesen Blogpost vielleicht nicht unbedingt während des Essens lesen
Heute morgen hatte ich eine Magenspiegelung. Ja ich weiß, klingt im ersten Moment nach ungeheuer viel Spaß, aber ist nicht unbedingt so ein Highlight
Ich hatte zwar schon vor vielen Jahren mal eine Magenspiegelung, aber die gabs im Krankenhaus zusammen mit einer Koloskopie (Die große Hafenrundfahrt, so wie die von Susan Stahnke, die 2002 auf RTL gezeigt wurde *wurgs*) und deshalb hatte ich direkt was bekommen, dass ich komplett weggepennt bin und als ich aufwachte war alles vorbei.
Heute war es nur eine Magenspiegelung bzw. eine Ösophagogastroduodenoskopie, also laut Wikipedia eine endoskopische Untersuchung der Speiseröhre (Ösophagus), des Magens (Gaster) und des Zwölffingerdarms (Duodenum). Die Vorbereitung war deutlich einfacher als bei einer Darmspiegelung. Keine Abführmittel sondern einfach nur 5 Stunden vorher nichts mehr essen und trinken. Dafür freute ich mich schon umso mehr, da ich vor allem solche Aussagen im Hinterkopf hatte:
- Bekannter: „Magenspiegelung ist das schlimmere von beiden.“
- Freund: „Ich musste dauernd brechen mit dem Schlauch im Hals.“
- Vater: „Mein Arzt ist dauernd irgendwo dran gestoßen, das tat weh.“
Ich glaub, die einzigen, die mir Mut oder Zuversicht zugesprochen hatten waren mein Azubi und meine Tante, die mich dann heute Morgen auch zur Praxis gefahren hatte. Um 9 Uhr in der Praxis gemeldet und dann gleich einen Bogen bekommen, den ich auszufüllen hatte. Also ankreuzen, dass ich kein HIV habe, nicht schwanger bin und auch keine Infektionskrankheit aus den Tropen in mir habe. Dann noch die Punkte durchlesen, was alles während der Behandlung schiefgehen kann (zu den harmloseren Sachen zählen da noch kaputte Zähne, falls man auf das Endoskop beisst) und wie dreckig man sich nach der Behandlung fühlen kann. Wenn ich noch nicht nervös gewesen wäre – spätestens ab dann.
Als ich den Zettel ausgefüllt hatte wurde ich gefragt, ob ich eine Spritze will, was ich umgehend bejahte und dann wurde ich in den Praxisbereich für die Untersuchungen wie Endoskopie, Ultraschall, etc. gebracht und ich wurde gebeten, mich zu setzen, kurz zu warten bis man mich holt und ich das Kittelchen bekomme. Kittelchen? WTF! Wieso muss ich ein Kittelchen anziehen für so eine blöde Behandlung? Klar, wenn ich im Krankenhaus wäre und narkotisiert werde … oder wenn die nen Kameraschlauch in meine Poperze schieben. Aber bei einer Magenspiegelung? Hätte da nicht auch ein Lätzchen gereicht??
Die nächste Zeit verbrachte ich aber mit warten. Genauso wie der Herr neben mir, der alle zwei Minuten auf die Uhr schaute und missmutig aber bewusst demonstrativ stöhnte. Und neben mir auf der anderen Seite Frau Jegorowa, die zwar wusste, dass sie zur Ultraschall-Untersuchung musste, aber irgendwie nicht, in welcher Stadt sie gerade war. Dafür streckte sie jedem, der vorbei kam Ihre EKG-Ergebnisse entgegen. Eigentlich konnte sie einem Leid tun. Mir auch. Hätte Sie sich nicht am Empfang vorgedrängelt.
Nach 20 Minuten wurde ich aufgerufen und durfte (musste?) in den Behandlungsraum. Dort standen schon die Gerätschaften: der Fernseher lieferte eine unscharfe Nahaufnahme der Raufasertapete, an die das Ende das Endoskops zeigt. Der Rechnermonitor zeigte einen XP-Professional-Bildschirmschoner und der Luft-Kompressor, rödelte vor sich hin. Ich bekam zuerst ein Becherchen mit einem Mittel zum Magen entschäumen und darauf wurde mein Rachen mit Gingicain eingesprüht, so dass dieser kurze Zeit später taub war.
Und dann hieß es warten. Die Uhr auf dem Kontrollmonitor lief weiter, die Arzthelferin kam zwischendurch immer mal wieder rein und verschwand dann auch wieder und ich las mir sämtliche Informationen an der Wand durch, angefangen von allgemeinen Erste-Hilfe-Informationen, über Anleitungen zum richtigen Hände-Waschen und -Desinfizieren bis hin zu einem Merkblatt, was zu tun ist, falls man sich an Spritzen verletzen haben sollte. Und ich war irgendwie fasiziniert von dem kleinen Metalleimer, der mit einer Waldmeister-grünen Flüssigkeit gefüllt war, die wohl zur Desinfektion der Endoskope benutzt wird. Bloß wie dieser lange Schlauch in den Eimer passt, wollte sich mir nicht erschließen.
Irgendwann kurz nach zehn Uhr war es dann so weit. Der Doktor kam und bat mich, mich linksseitig auf die Liege zu legen, mit dem Rücken an die Seitenlehne und den Kopf auf der Erhöhung. Anschließend gabs eine Spritze in den Arm mit dem Beruhigungsmittel – keine Ahnung was es war. Die Arzthelferin meinte nur, dass ich nicht davon schlafen/narkotisiert sein werde (also nicht das im Informationszettel erwähnte Propofol) sondern eher sowas hätte wie einen Alkoholrausch. Naja, solang es keinen Kater gibt – mir egal. Und dann begann die Behandlung.
Ich bekam so eine Art „Knebel“ um den Kopf, der meinen Mund offen gehalten hat … das Endoskop wurde eingeführt … ich merkte mit an meinem rechten Arm, der auf meinem Bauch lag, dass sich etwas in meinem Magen bewegt … dann kam pustete der Arzt wohl viel Luft rein, die mir plötzlich wieder nach oben kam; eine Mischung aus Aufstoßen und Brechen, aber nur mit vieel Luft. Mit dem Schlauch im Hals tendenziell unangenehm/schmerzhaft … das mit der Luft noch ein paar Mal … Geräte raus … fertig.
Wie mir gesagt wurde, sei auf der Kamera nichts zu sehen gewesen und die entnommene Probe geht jetzt erstmal ans Labor zur Untersuchung.
Nach der Behandlung merkte ich ein bisschen, dass die Schwerkraft gegen mich arbeitet und mir noch was schwummerig war, aber ich war ansonsten soweit fit, dass ich das Gebäude verließ und auf meine Tante wartete, die mich abholen sollte. Ihr erzählte ich dann, dass die Behandlung 2–3 Minuten gedauert hatte und ich dafür viel zu lang warten musste.
Erst so jetzt im Nachhinein, wo ich die Ereignisse beim Schreiben des Blogeintrags noch einmal rekapituliere; waren es wirklich nur 2–3 Minuten? Außerdem stelle ich fest, dass ich gewissen Lücken in der Erinnerung habe. Hatte ich nach der Behandlung noch mehr Erinnerungen, die jetzt erst nach ein paar Stunden verschwunden sind? Erst jetzt fällt mir auch auf, dass ich offenbar die gesamte Behandlung die Augen geschlossen hatte. Alles in allem habe ich wirklich ein paar kleine Black-outs, was die Untersuchung angeht. Ich weiß, dass ich wohl matschig war, als mir das Mundstück angelegt wurde, ich kann mich aber nicht erinnern, wie mir das Endoskop eingeführt oder es wieder herausgeholt wurde. Hat die Spritze wohl doch einiges an Wirkung gezeigt. Umso mehr kann ich jetzt verstehen, dass ich danach kein Auto fahren durfte *g*
Alles in allem war es eine Behandlung, die glücklicherweise kurz war, an die ich mich nur Bruchstückhaft erinnere, aber die trotzdem nicht angenehm war. Aber wirkliche Schmerzen oder sonstige Probleme hatte ich nicht gehabt. Da denke ich, gibt es durchaus schlimmere Behandlungen in der Medizin.
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